Sonntag, 30. April 2017

Stoffspielerei mit Chenille

Susanne von Textile Geschichten sammelt heute Stoffspielereien zum Thema „seltene Techniken". Das Thema gibt viel Spielraum, bereits 2015 gab es dazu eine Linksammlung.

Mein Beitrag zu diesem Thema kam zustande, ohne dass ich darüber nachgedacht habe.

 
In den Osterferien durfte ich einen Upcycling-Workshop mit Kindern betreuen. Am Ende gab es reichlich Stoffreste. Zeitgleich hatte ich ein paar Nachfragen nach Chenille-Box-Mäppchen. So war es naheliegend, die Stoffreste zu stapeln und altbewährt zu Flächen für Stifte-Mappen zu vernähen: Beginnend auf einer Bügelmarkierung diagonal; parallel mit Nähfußabstand von 0,75 cm.
Es hat sich bewährt, die untere Lage größer zu halten, dann ist das Anschneiden der Lagen leichter. Auf der untersten Lage drehe ich gleich mit ein paar Stichen, ist besser als Abschneiden. 
Versehentlich habe ich vereinzelt am Cutter eine Seite mit zu schmalem Führungselement erwischt und meine Schnitte sind mitunter sehr dicht an der Naht. Für einen Nahtabstand von 0,75 cm ist die Einstellung M am Chenille-Schneider zweckmäßig.


Durch mein Missgeschick hatte ich das Bedürfnis, die Raupen zusätzlich zu fixieren und erinnerte mich an Fotos von Stoffmanipulationen. Dazu lasse ich nun Fotos sprechen (eine kleine Auswahl).

Beim Stapeln der Lagen habe ich mir kaum Gedanken gemacht, wie sich dieser Zufall später auswirkt. Besonders umgehauen hat mit der Effekt mit einem lila-orangen 80er Jahre Bettwäschestoff und in einem anderen Stapel eine mint-rosa-karierte Lage, die unter der Titanic hoch kam. Auch schwarzer Denim ergab eine interessante Optik.


 
 
 
 
 

 


 
 

 




Die Verwandlung der "Altstoffe" war faszinierend, ich konnte dann gar nicht aufhören mit Stoffe aufräumen. Wenn mein Chenille-Cutter noch scharf wäre würde ich wahrscheinlich auch jetzt gerade Chenille-Raupen schneiden, aber meiner Ersatzmesser ist noch nicht eingetroffen. 
Dem Fixieren der Chenille-Raupen vor dem Nähfuß habe ich zunächst mit einer Häkelnadel nachgeholfen, später mit einer Stricknadel: mit der Nadel von der Seite zwischen die Raupen gleiten, drehen und vor der Näh-Nadel positionieren.
Die Fläche mit Umrandung habe ich später mit einem Dreifach-Zierstich zusätzlich über die Umbiege-Nähte gefestigt, die vielen Lagen brauchen Halt.

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken zwecks Erfahrungsaustausch gesammelt.

 
Die weiteren Termine der Stoffspielerei:

 28.05.2017:  Denim (Griselda – Machwerk)
25.06.2017: Thema noch offen (Lucy – Nahtzugabe)
Juli/August 2017: Sommerpause
27.10.2017: 
 „Fäden auf Farbe“ (Ute -  123-Nadelei

Samstag, 29. April 2017

Buchrezension: Taschen an Kleidungsstücken perfekt genäht

 Wer seine Lieblingsschnitte mit Taschen variieren möchte findet in dem Buch ...
  
 
Taschen an Kleidungsstücken perfekt genäht
Mit Schnittmusterbogen
Autorin: Mizuno, Yoshiko
Format: 19 × 25,7 cm, 72 Seiten
ISBN: 978-3-8307-0938-1
Verlag: Stiebner

... 27 Taschenvorlagen als 1:1 Schnittmusterbogen.
Als Bestandteil von Kleidung ermöglichen Taschen, kleine Dinge griffbereit bei sich zu tragen. Zusätzlich sind sie ein Gestaltungselement von Kleidung. Ob gerundete oder gerade Kanten, mit Keller oder Quetschfalte, Klappe, Reißverschluss oder mit Futter ... das Buch gibt anschaulich bebildert Auskunft, wie beliebige Taschen an Kleidung angebracht werden können.

Die Autorin Yoshiko Mizuno ist Absolventin des berühmten Bunka Fashion College, hat als Designerin in einem Modeunternehmens gearbeitet und sich später selbständig gemacht. Sie hat zahlreiche Fachbeiträge über Design, Herstellung, Nähtechniken, Schnittmusteranfertigung veröffentlicht.
Die Autorin veröffentlichte zum Thema außerdem:
 
Nähen perfekt - Die Grundlagen sauberen Nähens
Verschlüsse perfekt genäht Reißverschlüsse, Knopfleisten, Schlitzverschlüsse
Das Buch stellte mir der Stiebner Verlag auf Anfrage zur Verfügung.
 
Zum Thema Taschen an Erwachsenen-Kleidungsstücken und Röcken hat Meike bereits 2012 und 2016 Links gesammelt. Nach wie vor ist es ein spannendes Thema.

 

Montag, 17. April 2017

Buchrezension: Verschlüsse perfekt genäht

In dem Buch ...



Verschlüsse perfekt genäht
Reißverschlüsse, Knopfleisten, Schlitzverschlüsse


Autorin: Mizuno, Yoshiko

Format: 19 × 25,7 cm, 78 Seiten

ISBN: 978-3-8307-0940-4
... findet man weit mehr, als anschaulich bebilderte Bausteine für Knopfleisten und Manschettenverschlüssen an Blusen, Hemden, Pullis, Parkas, Mänteln, Ponchos, Kleidern und Röcken. Dem Buch liegen Schnittmusterbögen in Originalgröße für die Größen S bis LL bei. Eine Größenreferenztabelle mit Körpermaßen ist im Buch auf Seite 81 enthalten.
Mit diesem Buch kann man sich zeitlose Basisgarderobe mit Verschlüssen, die zum Design passen nähen. Im Ersten Teil des Buches werden Kleidungsstücke mit Variationen von Verschlüssen vorgestellt. Im zweiten Teil folgen die zugehörigen Nähanleitungen mit Angaben zum Schnittmuster, Material, Zuschnitt und Nähablauf. Leicht verständliche Skizzen und Grafiken helfen beim Gelingen und motivieren zum Ausprobieren. Das Buch ist Nachschlagewerk für die ambitionierte Nähbibliothek. Mit einem Blick kann man hier das Wesentliche erfassen.
Die Autorin Yoshiko Mizuno ist Absolventin des berühmten Bunka Fashion College, hat als Designerin in einem Modeunternehmens gearbeitet und sich später selbständig gemacht. Sie hat zahlreiche Fachbeiträge über Design, Herstellung, Nähtechniken, Schnittmusteranfertigung veröffentlicht.
Das Buch stellte mir der Stiebner Verlag auf Anfrage zur Verfügung.
Weitere Buchrezensionen kann man hier und hier lesen.

Osterdekoration mit Häkeldeckchen

Bevor Ostern dieses Jahr der Vergangenheit angehört zeige ich ein paar Verwandlungen von Häkeldeckchen:

Blau gefärbte (2) Häkeldeckchen sind mit Schleifen (4) um Styropor-Eier drapiert.


Wer hier öfters liest, weiß dass ich gerne Spitzendeckchen umfunktioniere. Deshalb ist diese Osterdekoration hier passend. 

Eine Häkeldecke vom Flohmarkt war mit zu geringer Zunahme gehäkelt. Deshalb bestellte ich bei einer Freundin für diese Decke und eine weitere ein Bad in Zement. Solche wetterfesten Übertöpfe wollte ich schon lange haben.


Ich hoffe, Ihr hattet schöne Ostertage. Hier in Thüringen ist es kalt und regnet.
Und ich frage mich, ob Herrn Geheimrat Goethe auch solch ein Wetter begleitete, als er nicht weit von hier seinen Osterspaziergang machte.

Samstag, 1. April 2017

Kissenschlacht 2017 Linkparty


 
Schüttelt zum 5. Mal ganz in der Tradition von Frau Holle Eure Kissen und werft Eure Lieblingsbezüge auf meinen Blog rüber. Eine zeitliche Einschränkung, wann der Bezug entstanden ist gibt es nicht. Auch sind mehrere Beiträge mit unterschiedlichen Kissenbezügen verlinkbar wie bei einer echten Kissenschlacht:

Wer hat kann rüber werfen. Kreationen, die bereits in Vorjahren teilgenommen haben bitte nicht verlinken.
Ein Backlink zu www.123-nadelei.blogspot.de ist erforderlich.
Die Kissenschlacht ist hier versammelt.

 
An InLinkz Link-up

Montag, 27. März 2017

Stoffspielerei mit Shibori-Falten

Karen von Feuerwerk by KaZe sammelt heute Stoffspielereien zum Thema „Shibori". So kurz vor Ostern hat Färben Tradition. Allerdings geht es hier um Textilien.


Früher habe ich mich nicht getraut, zu färben und war verunsichert, ob die Farbe hält und womöglich beim waschen auf andere Textilien abfärbt. Durch den Umgang mit gebrauchten Textilien bin ich mutiger geworden, habe meine Färbeexperimente ausgedehnt und mag diese Verwandlung inzwischen sehr gerne. 

Vor dem Färben weiche ich die zu färbenden Textilien über Nacht in Sodalauge, das soll bei der Farbaufnahme helfen/intensivieren.

Es gibt eine unendliche Anzahl von Möglichkeiten, wie man Stoff vor dem Färben anbinden, sticken, falten, verdrehen oder komprimieren kann. Ich improvisiere gerne mit Kumo shibori und falte die sodafeuchten Stoffstücke erst in eine und dann in die andere Richtung. Zum Abbinden benutze ich einen Altbestand von Plastik-Geschenkband (weil es keine Farbe aufnimmt und weil es verbraucht werden soll). Gummis funktionieren auch sehr gut.

Heute habe ich eine 80er Jeanshose gefaltet und gebunden. Meine Falten sind nicht so exakt wie beim klassischen Shibori. Wahrscheinlich trenne ich die Hose nach dem Färben auf und verwende die Teile für Rucksackbodenflächen. Es ist in Ordnung, wenn das Färbemuster ungleich und lebendig wird. Wir werden sehen.

 
 
Als Dreieck falte ich eine Gardine, bei der ich über die Materialzusammensetzung unsicher bin. Ich hatte mal eine, bei der die Stickerei aus Baumwollfasern war. Solche Textilien sind interessante Zutaten beim Nähen. Auch hier bleibt es spannend.
 

 
 
Ein Stück hellblaues Bettlaken belege ich mit Spitzendeckchen, klappe eine Lage über und falte die Deckchen mit ein. Ich hoffe, ein paar Musterbereiche werden sich in den dunklen Bereichen abzeichnen.
 
 
Verschnürt wie Geschenke sind die Päckchen bereit zum Färben. Bewährt hat sich bei mir ein großer Topf, zu dem ein Deckel mit Loch für ein Einkochthermometer gehört.
 
 
Gerne färbe ich mehrere Farben einer Farbpalette. Heute beginne ich mit Simplicol marineblau und stelle die Stoff-Päckchen in das vorbereitete Färbebad. Die ersten eingetauchten Stücke entziehen am intensivsten Farbe. So entsteht beim späteren Drehen der Päckchen schon eine Farbabstufung. In einer 2. Etappe nehme ich ausgewählte Päckchen raus und gebe vorsichtig etwas dunkelblaue Textilfarbe dazu (Spritzen vermeiden). Auch die Komponenten gebe ich grob anteilig dazu. Ich lasse alles etwas vor sich hin köcheln, mache ich inzwischen nach Gefühl. Die Päckchen lassen sich gut heraus fischen und kommen bei 40 Grad in die Waschmaschine. Ins Spülfach gebe ich Farbfixierer.
 
 
Für mich ist es immer wieder spannend, wenn ich abwarten muss, bis der Waschgang beendet ist. Dann schauen wir doch mal nach:
 
Am blauen Stück mit den Deckchen erkennt man die beiden blauen Färbetöne neben den Abbindestreifen. Ausgebreitet ist das Stück ganz oben sichtbar. Ein paar Abdrücke haben die Deckchen hinterlassen. Ich werde damit Patchworken.
 
 
 
Ein Spitzendeckchen hatte ich auch gefaltet, vielleicht findet es als geteilte Applikation mal einen Platz. Die zum dreieckigen Päckchen gefaltete Gardine ist leider ganz aus synthetischen Materialien. Färben bringt es an den Tag. Leicht hellblau ist die geworden.
 

 
Die Hose gefällt mir gut. Leider ist es ein 80er Schnitt bei dem ich immer an Möhren denke. Ich werde sie auftrennen. Hier
 

 
Mitgefärbt habe ich ein altes gelbes Shirt von mir, das über die Jahre immer mehr gelb geworden ist. Nun stimmt der Druck: Blue Cotton. Mit dem Aufdruck und der Überfärbung lässt sich was draus machen in einer kleineren Größe.
 
 
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken zwecks Erfahrungsaustausch gesammelt.
 
Die weiteren Termine der Stoffspielerei:
30.04.2017: „Seltene Techniken“ (Suschna – Textile Geschichten)
28.05.2017:  Thema noch offen (Griselda – Machwerk)
25.06.2017: Thema noch offen (Lucy – Nahtzugabe)
Juli/August 2017: Sommerpause
27.10.2017: 
 „Fäden auf Farbe“ (Ute -  123-Nadelei

Sonntag, 26. März 2017

Buchrezension: Nähen perfekt - Die Grundlagen sauberen Nähens

Im Buch ...

 Nähen perfekt - Die Grundlagen sauberen Nähens
Autorin: Yoshiko Mizuno
Format: 19 × 25,7 cm, 132 Seiten
ISBN: 978-3-8307-0892-6

... werden grundlegende Nähtechniken anhand von Fotos Schritt für Schritt dargestellt und erklärt.
Umfassend gründlich geht es im ersten Kapitel um die Grundlagen des Bügelns als wichtiger Bestandteil des Nähprozesses.
Vor dem Nähen mit der Nähmaschine empfiehlt die Autorin, mit Schnittresten des benutzten Stoffes eine Nähprobe vorzunehmen. Zur Kombination von Materialien gibt es für verschiedene Stärken anschauliche Tipps in Sachen Garn und Nadeln.
Auch unsichtbaren Stellen widmet das Buch Aufmerksamkeit. Zum Verstürzen mit Ecken und Rundungen sind anschauliche Fotobeispiele im Buch abgebildet. Für voluminöse Stoffe gibt es spezielle Tipps. Zum Versäubern gibt es mehr Möglichkeiten, als eine Zick-Zack- oder Overlock-Naht. Alternativen sind Kappnaht, auseinander gesteppte Naht oder französische Naht. Schrägband, Rollsaum oder Briefecken bringen Nähprojekte zum Abschluss.

Sorgfalt, Geduld und Übung sind wichtige Zutaten beim Nähen.

Die Autorin Yoshiko Mizuno ist Absolventin des berühmten Bunka Fashion College, hat als Designerin in einem Modeunternehmens gearbeitet und sich später selbständig gemacht. Sie hat zahlreiche Fachbeiträge über Design, Herstellung, Nähtechniken, Schnittmusteranfertigung veröffentlicht.

Das Buch ist Nachschlagewerk für die ambitionierte Nähbibliothek. Details werden anschaulich bebildert erklärt. Mit einem Blick kann man hier das Wesentliche erfassen.

Das Buch stellte mir der Stiebner Verlag auf Anfrage zur Verfügung.
Eine weitere Rezension kann man
hier lesen.

Sonntag, 26. Februar 2017

Stoffspielerei mit modernem Kopfputz

Gabriele von Made with Blümchen sammelt heute Stoffspielereien zum Thema „Kopfputz“. Bereits ihre Ankündigung des Themas ist vielversprechend.  Zwei dicke alte Bände: „Die tüchtige Hausfrau, ein praktisches Nachschlagebuch der gesamten Hauswirtschaft“ wird vorgestellt und ein kleiner Einblick in das Thema Putzmacherei gegeben. Hutmacherinnen heute nennt man Modist bzw. Modistin.

Das Thema passt gut in die Faschingszeit, man könnte sich der Phantasie hingeben und experimentieren. Ich habe zunächst einen Kapotthut genäht, der vom Stil her in die 80er Jahre gehört und trotzdem aktuell im Alltag oder Urlaub tragbar sein soll. 

Zufällig ergab es sich, dass ich zeitgleich eine Jerseymütze nähte. Das fing ganz harmlos an mit einem weißen Shirt, das ausgemustert bei mir strandete. Blickfang des Shirts ist eine industrielle Maschinenstickerei als Ornament mit folkloristischen Bezügen. Planlos habe ich das Shirt erst mal grün mit gefärbt. Auf der Suche nach Baumwolljersey für kleine Nähprojekte mit Reverse-Applikationen habe ich die Vorderseite verwendet und zunächst mit Textilfarbe bemalt. Neuerdings beginne ich Nähprojekte gerne ohne konkreten Plan und lasse mich einfach treiben in den Gegebenheiten des Materials und den Vorräten im Nähzimmer.

 
Hinterlegt mit einem blau-lila Jerseystück habe ich die Stücke in eine Mütze verwandelt (Schnitt schon mal hier beschrieben). Hinter die Stickerei ist eine weitere gemusterte Lage Jersey eingefügt. Die Lagen sind mit Vorstichen, Rückstichen (Steppstich), Plattstichen, Schlingstichen (auch Feston- bzw. Langettenstich genannt) verbunden. Ausgewählte Bereich sind frei geschnitten, damit die darunter liegende Schicht sichtbar wird.
 
Auf Flächen neben dem Mandala-Muster sind Kreise von Textilfarbe mit Schlingstichen umrandet, um mal Festonstiche in verschiedenen Richtungen und Reihungen zu probieren.
 
 
 
Festonstiche sind auch an der Verbindungsstelle der Jerseystücke nachträglich angebracht.
 
 
Der Schnitt der Mütze hat sich inzwischen gut bewährt, die Verschlussvariante mit Pony-Feeling ist sehr beliebt. Durch die Farbzusammenstellung denke ich gleich an ein Pfauenrad, ein natürlicher Schmuck, der kaum zu toppen ist. Die Größe der vorhandenen Stickerei verschwindet teilweise im Fransenbereich, um so mehr erinnert das Gebilde an ein Pfauenrad. Ich finde, es ist auf jeden Fall Kopfputz und freue mich, ein alltagstaugliches Nähprojekt zum Thema zeigen zu können.
 
 
Ein Tragefoto zeige ich bei Instagram.
 
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken zwecks Erfahrungsaustausch gesammelt.

Jeanshut mit Reverse-Applikation auf der Krempe

Schon lange wollte ich mir einen Hut im Stil der 80er Jahre nähen, um zu probieren, ob ich so etwas tragen würde. In einem Bastelbuch ISBN 3-332-01075-1, Seite 349 fand ich ein Schnittmuster. Nähen ging relativ schnell, so sieht er aus:
 

Die Schnittteile sind übersichtlich und werden je 2 x benötigt. Als Oberstoff habe ich Jeansstoff einer Hose verwendet, als Futterstoff festen Baumwolljersey.
Kreise sind mit Textilfarbe aufgepinselt. Als Schablone dienten mir zweckentfremdet ein paar Unterlegscheiben aus dem Ersatzteilfundus der Garage.

 
 
Über die Reihenfolge der Teile beim Nähen habe ich mich erst gewundert, nach dem Wenden war alles so wie es soll. Ein paar Vorstiche um die gemalten Kreise für die Reverse-Applikation = Negativapplikation und um die Krempe ... fertig.
 
 
 
Der Kopfumfang war mit 61 cm angegeben und ich dachte zunächst, das sei viel zu groß. So wie der Hut sitzt könnte er sogar etwas weiter sein. Auf einer langen Haarmähne kommt er sicher am besten zur Geltung. Ich lasse mir erst mal wieder die Haare wachsen, dann sehen wir mal mit einem Tragefoto ...
 
An diesem Hut gefällt mir, dass die Krempe nach oben geklappt ist und als Fläche Gestaltungsspielraum gibt.
 
Auf der Suche nach einem Nähbeispiel für Kopfputz erinnerte ich mich an einen Hut in einem Bastelbuch. Er wird dort lässiger Kapotthut genannt. Lexikas beschreiben diesen Begriff als unter dem Kinn gebundener, kleiner, hoch auf der Frisur sitzender Damenhut der Biedermeierzeit. Es gibt Verweise auf Schute (Hut).

Eine Bildersuche zu Kapotthut ergab, dass sich der Begriff  aus der Capote des 18. Jahrhunderts ableitet, einer Art Kapuzenumhang.
... Der Begriff "Capote" blieb aber weiter bestehen, die Hüte verkleinerten in den 1860er Jahren ihren Schirm immer mehr, die Krone kehrte zurück und aus dem Begriff Capote wurde der Kapotthut. Diese Bezeichnung wird quer durch die Literatur - vor allem die nach den 1870ern - für alles und jedes benutzt, was mehr oder weniger klein und mit wenig Krempe versehen ist. DEN Kapotthut gibt es also nicht.
 
Um Kopfputz geht es heute auch bei der Stoffspielerei. Das Thema hat mich motiviert, mal solch einen Hut zu nähen.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Buchrezension: Schnittkonstruktion in der Mode - Zusammennähen und letzter Schliff

Das Buch ...

Schnittkonstruktion in der Mode - Zusammennähen und letzter Schliff

Autorin: Teresa Gilewska
Format: 22 × 28 cm, 184 Seiten
ISBN: 978-3-8307-0888-9

... ist der 4. Band einer Reihe von Büchern über Schnittkonstruktion und Kleidung:

Schnittkonstruktion in der Mode  
   Band 1: Grundschnitte
   Band 2: Schnittabwandlungen
   Band 3: Drapieren
   Band 5: Herrenkleidung
  
Kleidungsstil und Erscheinungsbild  
 
Das Buch richtet sich an Profis der Bekleidungsindustrie und alle, die eigene Kleidungsideen umsetzen wollen. Zahlreiche detaillierte Darstellungen und Erklärungen verdeutlichen das Zusammennähen und die Fertigstellung von Kleidungsstücken. Mitunter ist nähen von Hand unumgänglich. Auch über diesen Aspekt informiert dieses Buch anschaulich in Bausteinform.
 
Genau genommen ist das Buch ein Nachschlagewerk für Techniken, mit denen Kleidung genäht wird. Es gibt Auskunft zu Fragen, die über den Umfang eines Schnittmusters hinaus gehen:
  • Nähnadeln: Unterschiede und Einsatzmöglichkeiten,
  • Abnäher: Wie vermeide ich Verformungen und Beulen?
  • Verschlussarten: Schlaufen, Knöpfe, Haken, Stäbchen,
  • Belege, Besatz und Vlies,
  • Naht: Eigenschaften und Einsatz, Kappnaht oder Französische Naht?
  • Kragenarten, wie nähe ich den Kragen richtig an?
  • Ärmel richtig einsetzen, was ist zu beachten?
  • Hemdsärmelschlitze und Manschettenvarianten,
  • Reißverschluss: wie und welchen, wie nähe ich den Hosenschlitz richtig?
  • Bundarten bei gefütterten und ungefütterten Kleidungsstücken,
  • Taschen einnähen,
  • Säume: wie geht das mit ausgestellter Naht oder rundem Zuschnitt
Die Autorin Teresa Gilewska unterrichtet seit 30 Jahren Schnittkonstruktion und teilt mit ihren Büchern ihre langjährige Erfahrung zur Schnittkonstruktion. Zusammen genommen ergeben diese Bücher ein komplexes Nachschlagewerk zum Nähen von Kleidung. Speziell dieses Buch füllt eine inhaltliche Lücke in meiner Handarbeitsbibliothek. Wenn ich mal wieder nicht mehr weiß, wie ein Hosenschlitz richtig genäht wird, dann weiß ich wo ich nachschlagen kann.
 
Das Buch stellte mir der Stiebner Verlag auf Anfrage zur Verfügung.

Sonntag, 29. Januar 2017

Stoffspielerei: Eckbausteine

Ines von Nähzimmerplaudereien sammelt heute Stoffspielereien zum Thema „Ecken und Kanten“. Ecken und Kanten sind überall, das Leben ist voll davon.
Bereits im Januar 2015 gab es eine Sammlung verspielter Ecken.




Wer öfters Taschen oder Täschchen näht hat sicher schon verschiedene Anleitungen und Schnittmuster ausprobiert. Ecken sind ein wichtiges Element, den Sie geben dem Behältnis Volumen. Das Thema nehme ich als Anlass, die von mir bevorzugten Methoden zum Nähen von Ecken in Taschen zu zeigen. Hat man das Prinzip erst mal durchschaut erleichtert es das Nachvollziehen von Anleitungen und ermöglicht es, individueller, nach eigenen Maßen Taschen zu nähen.

Eckbaustein 1: Abgenähte Ecken

Diese Ecklösung benötigt keine spezielle Vorbereitung. Für Beuteltaschen ohne Futter oder kleine Säckchen verwende ich diese Methode öfters.


Beispiele mit abgenähten Ecken:
Ein Vorteil dieser Variante ist, dass die abgenähten Ecken in der Tasche bleiben können und am Boden fixiert zusätzlichen Stand geben.
Leider gelingt es mir mitunter nicht, die Naht exakt zu platzieren, obwohl ich markiere und eine Stecknadel als Fixierung verwende. Deshalb verwende ich andere Methoden.

Eckbaustein 2: Freiflächen im Taschenkörper für Ecken

Hier berücksichtigt der Schnitt des Taschenkörpers bereits beim Zuschnitt die Dimensionen des Taschenbodens. Für diese Variante verwende ich bei eigenen Taschenkreationen eine Schablone, auf der ich den Verlauf der Naht eingezeichnet habe. Die Nahtzugabe ist ebenfalls berücksichtigt. Entscheidend ist, dass die einzelnen Maße später zusammen passen.

Bedenkt man die spätere Position und Funktion der Flächen bietet es sich an, die Fläche aus Einzelteilen zusammen zu setzen und für die Bodenfläche (oder einen erweiterten Bereich robustes Material zu verwenden.

Beispiele mit Freiflächen im Zuschnitt:
Das Prinzip des Aufeinandertreffens der Nahtkanten funktioniert auch bei abgewandelter Schnittform mit beliebigen Maßen. Wichtig ist das Verhältnis  b = 2a


Eckbaustein 3: Ecken raus schneiden

Diese Möglichkeit verwende ich inzwischen am häufigsten denn damit gelingen Ecken gleichmäßig und sitzen an der richtigen Stelle. Eine Collage verdeutlicht den Zusammenhang mit der vorherigen Eckenmethode:

Für die linke Methode sind die Seitennähte bereits geschlossen. Die Kanten von Bodenfläche und Seitennaht richte ich auf der Schneidmatte aus und schneide ein Quadrat heraus. Die Nahtzugabe bleibt dabei außen vor. Ein Quadrat von 3 cm ergibt später durch die Nahtzugabe eine Kantenlänge von 7 cm.
Für Stifte-Mappen schneide Quadrate von ich 2 cm, für Taschen Quadrate von 3 bis 4 cm. Mittige Bodenkante und Seitennaht werden übereinander platziert, so ergibt sich die Nahtlinie. Ich nähe gleich noch mal im Rückwärtsgang und versäubere ohne den Faden abzuschneiden.

Beispiele mit heraus geschnittenen Eck-Quadraten:

Eckbaustein 4: angesetzte Seitenstreifen

Diese Schnittvariante bietet gestalterisch interessante Möglichkeiten. Für den Seitenstreifen kann anderes Material verwendet werden. Ich platziere dort unten gerne kleine Außentaschen.

Beispiele von Taschen mit Seitenstreifen:
Teilt man die skizzierte Taschenkörperfläche anders auf kann der Seitenstreifen gleich die Bodenfläche beinhalten. Im Prinzip wurden dafür die Proportionen vertauscht. Wenn der Seitenstreifen ganz um Vorder- und Rückenteil läuft ist in einem Bereich oft ein Reißverschluss integriert.

Die Windmühlenkonstruktion ist eine faszinierende Abwandlung. Patchwork-Blöcke oder Häkelquadrate lassen interessante Gebilde entstehen.

Eckbaustein 5: Origami-Ecken

Um Origami-Ecken in Taschen zu nähen benötigt man 2 Seitennähte. Martina zeigt eine anschaulich bebilderte Ausführung. Interessante Taschen entstehen, wenn der Bodenbereich aus anderem Material ist. Vor Jahren habe ich angefütterte Stifte-Mäppchen mit solchen Falten genäht.

Das Prinzip habe ich auch für ein Lavendelsäckchen verwendet. Abweichend von den üblichen Origami-Ecken habe ich ein Deckchen mit umlaufender Spitze links auf links gefaltet, unten eine Origami-Falte eingelegt und an den Seiten geschlossen. Ist mal was anderes.

Eckbaustein 6: gefalteter Boden

Einfacher als man denkt sind Ecken, die man mitunter bei Beuteln vom Discounter sieht. Bei Beuteln mit 2 Seitennähten kann man so nachträglich Bodenvolumen zufügen.
Der Beutel wird auf links gewendet. Die Bodenkante wird ca. 2 - 3 cm nach oben gefaltet (bügeln) und durch Nachnähen der Seitennähte fixiert. Wenden und staunen.

Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken zwecks Erfahrungsaustausch gesammelt.