Dienstag, 22. August 2017

talentCAMPus - 3. Suhler Kinderstadt "Stück für Stück ein Stück"

Schon zum dritten Mal fand in Suhl ein talentCAMPus statt. Im Mittelpunkt dieser Form der aktiven Ferien­gestaltung steht nicht nur das reine Freizeitvergnügen. Auch die kulturelle Bildung soll nicht zu kurz kommen. Unabhängig von der sozialen Herkunft soll jeder junge Mensch bestmögliche Bildungschancen erhalten. Mit dem Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung" fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung außerschulische Angebote der kulturellen Bildung. Gestärkt werden sollen Selbst­motivation, Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft junger Menschen. Durch aktive Beschäftigung mit Kunst und Kul­tur erleben die jungen Menschen persönliche Wertschätzung.

Kindern im Alter von 10 - 14 Jahren konnten in der Woche vom 24. - 28.7.2017 täglich von 10:00 - 16:00 Uhr Workshops ihrer Wahl besuchen. 
Das Konzept für die Talentcampus Kinderstadt 2017 "Kinder leben Träume" in Suhl war etwas Besonderes: Alle Workshops wirkten eine Woche lang auf einen gemeinsamen Höhepunkt hin. Innerhalb einer Woche entstand das Theaterstück "Auf nach Woanders".


Workshops

Theater und Schauspiel - Antje Lea Schmidt; Cecilia Hafitz
Die Teilnehmer werden durch Übungen und Spielaufgaben mit der Bühne vertraut gemacht. In einem Theaterstück mit vielen verschiedenen Rollen wird eine nicht ganz alltägliche Abenteu­erreise unternommen. Kraftvolle Gruppenszenen mit Bewegung ohne viele Worte stehen neben spannenden Dialogen zwischen zwei bis drei Figuren. Und am Ende steht die Aufführung.

Singer und Songwriter - Kalter Kaffee
Alle Teilnehmer können hier ihre kreative musikalische Seite entfal­ten. Ob Lieder, Instrumental oder akustische Effekte - hier können eigene Lieder entstehen und ge­prüft werden, welche Wirkung die Melodie auf einen Text oder auch das Theaterstück hat. Schreibe deine Songs!

Kreativwerkstatt und Bühnenbildner - Angelika Beuger
Hier wird das Bühnenbild für die einzelnen Szenen des Stückes entworfen. Ideen können in den „Himmel" wachsen. Tech­niken der Raumgestaltung und Raumwirkung werden vermittelt und der Einsatz von Farben und Bastelmaterial. Gefragt sind Fantasie, Kreativität, Improvi­sationstalent und ein bisschen handwerkliche Begabung.

Fotostory und Videoblog - Bildermacher Semi
Teilnehmer werden eine Foto-und Videostory der ganzen talentCAMPus-Woche erstellen. Das richtige Licht und Ambiente, der richtige Blickwinkel, die Story dahinter, kleine Texte verfassen, viel fotografieren, filmen und bearbeiten - das alles ist hier zu erlernen. Am Ende soll ein Booklet stehen, das Eindrücke und Erinne­rungen für alle festhält.

Theaterbistro und Eventküche - Kochschule Löffelstiel
Kein Theater ohne Theaterbistro! In der kulinarischen „Werkstatt" werden Häppchen aus frischen Lebensmitteln gezaubert. „Event­küche - Funfood", darum geht's. In einem selbst zusammengestellten Kreativ- Kochbuch sollen die Tipps, die leicht umsetzbaren Ideen des Zubereitens und Dekorierens in Wort und Bild festgehalten werden.


Kostümwerkstatt und Nadelzauber - 123-Nadelei
Für unser Theaterstück werden Kostüme und Accessoires benötigt:
6 Torten, Bäckerbekleidung, Busfahrermütze, Weste mit Orden, Ticket nach Woanders ...

Kostüme und Ausstattung für eine Bäckerei werden aus Second-Hand-Textilien gezaubert. Mit Textilfarben, Stoff und Garn entstehen fantasiereiche Unikate. Die handgenähten textilen Backwerke werden im Herbst einem Kindergarten gespendet.

Einblicke hinter die Kulissen der Kostümwerkstatt

Den Workshop Kostümwerkstatt durfte ich vorbereiten und betreuen. Bereits bei den Beratungen der Organisatoren und Kursleiter im Vorfeld wurde besprochen, welche Kostüme, Requisiten und Accessoires bei der Aufführung benötigt werden.

Jeder Talentcampus-Tag begann für die Kinder mit einer Beratung zu den Anforderungen an unsere Schneiderei. Zunächst ging es um den Bedarf für die Aufführung, im Detail um einzelne Kostüme: Bewegungsfreiraum, Machbarkeit, Farben,  verfügbare Materialien und Eignung. Der Einsatz von Second-Hand-Textilien ermutigte zu Experimenten mit Nadel, Faden und Textilfarbe.
Täglich besprachen wir Fortschritte und die Abarbeitung der benötigten Kostümteile,
die Kinder haben entschieden, was sie nähen (beitragen) und ihre Ideen erläutert.
Oft wurde in kleinen Gruppen genäht, einzelne Stärken eingebracht und gleichzeitig untereinander vermittelt, was einzelne Nähtalente schon gut beherrschen.
 


Kinder, die die Tortenkostüme genäht haben waren eng in Abstimmung mit dem Theaterworkshop.  Teilweise traten sie selbst in ihrem Kostüm bei der Abschlussveranstaltung auf.  Der Auftritt der Tortenstücke war einer der optischen Höhepunkte des Stückes.

Auch mit dem Workshop Bühnenbild stimmten sich die Kinder ab und übernahmen die Herstellung einzelner wichtiger Accessoires mit Textilien und Beschriftung. Es stellte sich heraus, dass es für Schriftgestaltung besonders talentierte Kinder im Kurs gibt.      


   

Zur Ausstattung der Bäckerei(en) im Stück haben die Kinder Gebäckteile frei nach Mustern genäht.  Zunächst haben wir über die spätere, nachhaltige Verwendung gesprochen: Spende der Gebäckteile an einen Suhler Kindergarten (Übergabe durch die Kinder).
Die spätere Verwendung als Spielzeug haben die Kinder berücksichtigt, und keine ablösbaren Kleinteile angenäht. 



Eigenverantwortlich haben sie ihre Stücke selbst zugeschnitten, mit Textilfarbe oder Stoffmanipulation (Rüschen, Applikationen) individuell gestaltet und fertig gestellt.


Viele phantasievolle Einzelstücke sind entstanden. Während dem Nähen haben die Kinder ihre Nähprojekte lieb gewonnen und beschlossen, einzelne zu behalten, allerdings für den Kindergarten weitere zu nähen.

Weil die Kinder fleißig bei der Sache waren haben wir es geschafft, aus dem Stoff-Fundus in der Talentcampus-Woche auch noch Brötchenbeutel zu nähen. (Video Nadelmalerei)
Die Textilfläche des Beutels haben die Kinder mit Stoff- oder Nadelmalerei einzigartig gestaltet und mit Namen versehen. Diese Beutel können beim Bäcker genutzt werden, um Brot und Brötchen einzukaufen. Die Namenskennzeichnung ermöglicht die Abgabe für Bestellungen. Gleichzeitig kann so Verpackungsmüll reduziert werden.



Es ist Freude pur, zu verfolgen, wie junge Nähtalente begeistert bei der Sache sind und sich weiter entwickeln. Einige Kinder besuchten bereits zum 2. oder 3. Mal einen Nähkurs bei mir. Ein besonderes Vergnügen ist es für mich, wenn ich beobachte wie die Nadelkünstler beginnen, sich gegenseitig zu unterstützen nachdem sich spezielle Begabungen und Stärken heraus kristallisiert und verbessert haben.

Unsere Nähwerkstatt war im Kunst-Klassenraum der Ringbergschule Suhl untergebracht. Verschiedene Arbeitsbereiche im Raum konnten unsere Kursteilnehmer ständig nutzen:
 
  • Stoffdepot mit Stoffen aus Stoffspenden an die Volkshochschule Suhl und aus dem Fundus des Familienzentrums Insel Suhl
  • Zuschneidetisch
  • 3 Tische mit Nähmaschinen
  • Textilmalbereich
  • Handnäh- und Beratungstisch(e)
  • Tafel als Gedächtnisstütze zu Nähprojekten und Stand der Fertigstellung 

So gab es immer mehrere Möglichkeiten, um Nähprojekte zu gestalten und fertig zu stellen.
Besondere beliebt war der Bereich mit den elektrischen Nähmaschinen. Dort wurden Wartezeiten genutzt, um sich gegenseitig zu inspirieren und zu helfen.  

Mit viel Phantasie nähten alle etwas für unser nachhaltiges Projekt zur Ausstattung einer Bäckerei: Backwaren, Brötchen, Brezeln, Baguettes, Muffins, Cupcakes ... Käse ... Nudeln, Fleisch ...


Von Beobachtungen weiß ich, dass im Kindergarten Rollenspiele beliebt sind. Die textilen Backwaren werden wir nach der Aufführung unseres Theaterstückes einem Kindergarten in Suhl zur Verfügung stellen. Die Übergabe wird zusammen mit den Nadelkünstlern erfolgen. Bestimmt werden die phantasievollen Leckereien der Renner im Kinderkaufladen oder bei Teepartys.
 




 

 
 
Höhepunkt der Woche war die Aufführung des Theaterstückes "Auf nach Woanders". Endlich konnten alle Beteiligten sehen, wie sich die Puzzleteile aus den Workshops zu einem gemeinsamen Ganzen zusammen fügen. Die Eindrücke mit Hintergrundwissen zur Entstehung sind schwer in Worte zu fassen. Unglaublich was engagierte Beteiligte innerhalb einer Woche vorzeigen konnten. Gespannt erwarteten die Kostümdesigner den Auftritt der Tortenstücke. Die Kostüme bereichern demnächst übrigens den Kostümfundus der Theatergruppe Ringbergschule. Das freut mich und noch mehr die Designer & Schneiderinnen dieser Kostüme.

Im Suhler Bündnis für Bildung kooperieren die Volkshochschule „Karl Mundt", das Mehrgenerati­onenhaus Familienzentrum „Die Insel", die Musikschule „Alfred Wagner" und die Stadtbibliothek sowie Suhler Sportbund, Stadtver­waltung u.a. und trugen dazu bei, die Kinderstadt in Suhl zu ermöglichen.

Montag, 7. August 2017

Buchrezension: Alles Jeans

80 blaue Nähprojekte versammelt das Buch
 

Alles Jeans
80 blaue Nähprojekte
Autorin: Laura Sinikka Wilhelm
Fotografien: Marjo Koivumäki
176 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen
Klappenbroschur, 23,5 x 26 cm, 834 g
Blick ins Buch = Leseprobe
ISBN: 978-3-258-60136-6
Hau
pt Verlag

So abwechslungsreich wie die Varianten von Jeanskleidung sind, so vielfältig sind auch die Nähprojekte in diesem Buch. Viele Taschen Täschchen, Beutel, Kissenbezüge und mehr sind inspirierende Beispiele für eigene Kreationen. Applikationen, Stickereien und Textildruck bereichern die Gestaltungsoptionen zusätzlich. Originelle Nähbeispiele sind Fliege, Krawatte und das "Kleine Blaue".

Als Anleitungsunterstützung enthält das Buch viele Zeichnungen der Autorin. Besonders bei der Verwendung von Hosen als Ausgangsmaterial sind diese hilfreich. So ist ersichtlich, wie vorhandene Nähte und Taschen in die neuen Nähprojekte einbezogen werden können.
Bei den meisten Anleitungen sind die Zuschnitt-Angaben aufgelistet. Oft ist das für kleine Nähprojekte nach meinen Erfahrungen völlig ausreichend und erspart das Abpausen von Schnitteilen. Einige Schnittmuster sind als nur als Download verfügbar. Das ist schade. So muss man sich auch noch mit Ausdrucken in der korrekten Skalierung und Papier zusammen kleben beschäftigen. Zu einem gedruckten Buch passt meiner Ansicht nach ein gefalteter Schnittmusterbogen besser.

Die Autorin Laura Sinikka Wilhelm studierte Textildesign und arbeitet als freie Mode- und Textildesignerin sowie als Gastdozentin und Autorin. Sie ist regelmäßig im SWR-Fernsehen in der Sendung "Kaffee oder Tee" zu sehen, z.B. mit stylischen Turnbeuteln. Bereits in ihren ersten beiden Büchern:


ging es um Upcycling und Jeansverwertung. Diese Themen interessieren mich sehr.

Weitere Buchrezensionen zu diesem Titel sind hier und hier zu finden.
Das Buch stellte mir der Hauptverlag auf Anfrage zur Verfügung.