Sonntag, 26. Februar 2017

Stoffspielerei mit modernem Kopfputz

Gabriele von Made with Blümchen sammelt heute Stoffspielereien zum Thema „Kopfputz“. Bereits ihre Ankündigung des Themas ist vielversprechend.  Zwei dicke alte Bände: „Die tüchtige Hausfrau, ein praktisches Nachschlagebuch der gesamten Hauswirtschaft“ wird vorgestellt und ein kleiner Einblick in das Thema Putzmacherei gegeben. Hutmacherinnen heute nennt man Modist bzw. Modistin.

Das Thema passt gut in die Faschingszeit, man könnte sich der Phantasie hingeben und experimentieren. Ich habe zunächst einen Kapotthut genäht, der vom Stil her in die 80er Jahre gehört und trotzdem aktuell im Alltag oder Urlaub tragbar sein soll. 

Zufällig ergab es sich, dass ich zeitgleich eine Jerseymütze nähte. Das fing ganz harmlos an mit einem weißen Shirt, das ausgemustert bei mir strandete. Blickfang des Shirts ist eine industrielle Maschinenstickerei als Ornament mit folkloristischen Bezügen. Planlos habe ich das Shirt erst mal grün mit gefärbt. Auf der Suche nach Baumwolljersey für kleine Nähprojekte mit Reverse-Applikationen habe ich die Vorderseite verwendet und zunächst mit Textilfarbe bemalt. Neuerdings beginne ich Nähprojekte gerne ohne konkreten Plan und lasse mich einfach treiben in den Gegebenheiten des Materials und den Vorräten im Nähzimmer.

 
Hinterlegt mit einem blau-lila Jerseystück habe ich die Stücke in eine Mütze verwandelt (Schnitt schon mal hier beschrieben). Hinter die Stickerei ist eine weitere gemusterte Lage Jersey eingefügt. Die Lagen sind mit Vorstichen, Rückstichen (Steppstich), Plattstichen, Schlingstichen (auch Feston- bzw. Langettenstich genannt) verbunden. Ausgewählte Bereich sind frei geschnitten, damit die darunter liegende Schicht sichtbar wird.
 
Auf Flächen neben dem Mandala-Muster sind Kreise von Textilfarbe mit Schlingstichen umrandet, um mal Festonstiche in verschiedenen Richtungen und Reihungen zu probieren.
 
 
 
Festonstiche sind auch an der Verbindungsstelle der Jerseystücke nachträglich angebracht.
 
 
Der Schnitt der Mütze hat sich inzwischen gut bewährt, die Verschlussvariante mit Pony-Feeling ist sehr beliebt. Durch die Farbzusammenstellung denke ich gleich an ein Pfauenrad, ein natürlicher Schmuck, der kaum zu toppen ist. Die Größe der vorhandenen Stickerei verschwindet teilweise im Fransenbereich, um so mehr erinnert das Gebilde an ein Pfauenrad. Ich finde, es ist auf jeden Fall Kopfputz und freue mich, ein alltagstaugliches Nähprojekt zum Thema zeigen zu können.
 
 
Ein Tragefoto zeige ich bei Instagram.
 
Die monatliche Stoffspielerei ist eine Aktion für textile Experimente. Sie ist offen für alle, die mit Stoff und Fäden etwas Neues probieren möchten. Der Termin soll Ansporn sein, das monatlich vorgegebene Thema soll inspirieren. Jeden letzten Sonntag im Monat werden die Links mit den neuen Werken zwecks Erfahrungsaustausch gesammelt.
 
Die weiteren Termine der Stoffspielerei:
26.03.2017: „Shibori“ (Karen – Feuerwerk by KaZe)
30.04.2017: „Seltene Techniken“ (Suschna – Textile Geschichten)
28.05.2017:  Thema noch offen (Griselda – Machwerk)
25.06.2017: Thema noch offen (Lucy – Nahtzugabe)
Juli/August 2017: Sommerpause
27.10.2017: 
 „Fäden auf Farbe“ (Ute -  123-Nadelei

Jeanshut mit Reverse-Applikation auf der Krempe

Schon lange wollte ich mir einen Hut im Stil der 80er Jahre nähen, um zu probieren, ob ich so etwas tragen würde. In einem Bastelbuch ISBN 3-332-01075-1, Seite 349 fand ich ein Schnittmuster. Nähen ging relativ schnell, so sieht er aus:
 

Die Schnittteile sind übersichtlich und werden je 2 x benötigt. Als Oberstoff habe ich Jeansstoff einer Hose verwendet, als Futterstoff festen Baumwolljersey.
Kreise sind mit Textilfarbe aufgepinselt. Als Schablone dienten mir zweckentfremdet ein paar Unterlegscheiben aus dem Ersatzteilfundus der Garage.

 
 
Über die Reihenfolge der Teile beim Nähen habe ich mich erst gewundert, nach dem Wenden war alles so wie es soll. Ein paar Vorstiche um die gemalten Kreise für die Reverse-Applikation = Negativapplikation und um die Krempe ... fertig.
 
 
 
Der Kopfumfang war mit 61 cm angegeben und ich dachte zunächst, das sei viel zu groß. So wie der Hut sitzt könnte er sogar etwas weiter sein. Auf einer langen Haarmähne kommt er sicher am besten zur Geltung. Ich lasse mir erst mal wieder die Haare wachsen, dann sehen wir mal mit einem Tragefoto ...
 
An diesem Hut gefällt mir, dass die Krempe nach oben geklappt ist und als Fläche Gestaltungsspielraum gibt.
 
Auf der Suche nach einem Nähbeispiel für Kopfputz erinnerte ich mich an einen Hut in einem Bastelbuch. Er wird dort lässiger Kapotthut genannt. Lexikas beschreiben diesen Begriff als unter dem Kinn gebundener, kleiner, hoch auf der Frisur sitzender Damenhut der Biedermeierzeit. Es gibt Verweise auf Schute (Hut).

Eine Bildersuche zu Kapotthut ergab, dass sich der Begriff  aus der Capote des 18. Jahrhunderts ableitet, einer Art Kapuzenumhang.
... Der Begriff "Capote" blieb aber weiter bestehen, die Hüte verkleinerten in den 1860er Jahren ihren Schirm immer mehr, die Krone kehrte zurück und aus dem Begriff Capote wurde der Kapotthut. Diese Bezeichnung wird quer durch die Literatur - vor allem die nach den 1870ern - für alles und jedes benutzt, was mehr oder weniger klein und mit wenig Krempe versehen ist. DEN Kapotthut gibt es also nicht.
 
Um Kopfputz geht es heute auch bei der Stoffspielerei. Das Thema hat mich motiviert, mal solch einen Hut zu nähen.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Buchrezension: Schnittkonstruktion in der Mode - Zusammennähen und letzter Schliff

Das Buch ...

Schnittkonstruktion in der Mode - Zusammennähen und letzter Schliff

Autorin: Teresa Gilewska
Format: 22 × 28 cm, 184 Seiten
ISBN: 978-3-8307-0888-9

... ist der 4. Band einer Reihe von Büchern über Schnittkonstruktion und Kleidung:

Schnittkonstruktion in der Mode  
   Band 1: Grundschnitte
   Band 2: Schnittabwandlungen
   Band 3: Drapieren
   Band 5: Herrenkleidung
  
Kleidungsstil und Erscheinungsbild  
 
Das Buch richtet sich an Profis der Bekleidungsindustrie und alle, die eigene Kleidungsideen umsetzen wollen. Zahlreiche detaillierte Darstellungen und Erklärungen verdeutlichen das Zusammennähen und die Fertigstellung von Kleidungsstücken. Mitunter ist nähen von Hand unumgänglich. Auch über diesen Aspekt informiert dieses Buch anschaulich in Bausteinform.
 
Genau genommen ist das Buch ein Nachschlagewerk für Techniken, mit denen Kleidung genäht wird. Es gibt Auskunft zu Fragen, die über den Umfang eines Schnittmusters hinaus gehen:
  • Nähnadeln: Unterschiede und Einsatzmöglichkeiten,
  • Abnäher: Wie vermeide ich Verformungen und Beulen?
  • Verschlussarten: Schlaufen, Knöpfe, Haken, Stäbchen,
  • Belege, Besatz und Vlies,
  • Naht: Eigenschaften und Einsatz, Kappnaht oder Französische Naht?
  • Kragenarten, wie nähe ich den Kragen richtig an?
  • Ärmel richtig einsetzen, was ist zu beachten?
  • Hemdsärmelschlitze und Manschettenvarianten,
  • Reißverschluss: wie und welchen, wie nähe ich den Hosenschlitz richtig?
  • Bundarten bei gefütterten und ungefütterten Kleidungsstücken,
  • Taschen einnähen,
  • Säume: wie geht das mit ausgestellter Naht oder rundem Zuschnitt
Die Autorin Teresa Gilewska unterrichtet seit 30 Jahren Schnittkonstruktion und teilt mit ihren Büchern ihre langjährige Erfahrung zur Schnittkonstruktion. Zusammen genommen ergeben diese Bücher ein komplexes Nachschlagewerk zum Nähen von Kleidung. Speziell dieses Buch füllt eine inhaltliche Lücke in meiner Handarbeitsbibliothek. Wenn ich mal wieder nicht mehr weiß, wie ein Hosenschlitz richtig genäht wird, dann weiß ich wo ich nachschlagen kann.
 
Das Buch stellte mir der Stiebner Verlag auf Anfrage zur Verfügung.